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Sonja Wunderlin, Naturärztin
Praxis am Laufenplatz 148, 5080 Laufenburg, Tel. 062 874 00 16

Schröpfen im Fricktal
Das Schröpfen gehört wie auch die Blutegeltherapie oder das Baunscheidtieren zu den sogenannten «ausleitenden Methoden» der Traditionellen Europäischen Naturheilkunde. Schröpfen ist ein uraltes Verfahren, bei welchem die Haut nicht wie bei einer Massage nach innen gedrückt, sondern mittels Schröpfgläsern und einem darin erzeugten Vakuum nach aus­sen gezogen, gelockert wird. Heutzutage werden Schröpfköpfe aus Glas verwendet. Das Vakuum im Glas kann durch Erhitzen (= warmes Schröpfen) oder Absaugen (= kaltes Schröpfen) der Luft erzeugt werden.
Es löst verspannte Muskulatur, lockert das Gewebe und regt den Blut- und Lymphfluss an. Über die Reflexzonen am Rücken werden die inneren Organe angeregt.

Blutiges Schröpfen, trockenes Schröpfen und Schröpfkopfmassage
Das blutige Schröpfen, bei dem man vor der Schröpfglasanwendung die Haut ritzt, wird heute in der Schweiz kaum mehr angewandt. Trocken geschröpft wird meistens am Rücken. Einerseits, weil sich hier oft schmerzhafte Symptome zeigen, andererseits können am Rücken über reflektorische Verbindungen auch innere Organe erreicht werden. Für die Schröpfkopfmassage wird mit einem speziell breitrandigen Glas der Rücken bearbeitet. Sie ist eine sehr angenehme Therapie bei Schmerzen und Verspannungen.
Mittels der trockenen Schröpfung werden gezielt Blutergüsse gesetzt. So werden vor allem chronisch entzündliche Krankheiten behandelt, welche im Grunde auf einem Mangel an Wärme basieren. Der Organismus versucht sich durch Fieber oder Entzündung zu heilen, schafft dies jedoch nicht ganz. Folge: Immer wieder kommt es zur Entzündungsreaktion: Schmerzhafte Erkrankungen des Bewegungsapparates wie Muskelverspannungen, Arthrosen, Arthritis und Rückenschmerzen, chronische Atemwegserkrankungen wie chronische Bronchitis oder immer wiederkehrende grippale Infekte, Mandelentzündungen, das prämenstruelle Syndrom PMS, chronische Kopfschmerzen sowie chronische Harnwegsinfekte.

 Die Naturheilkunde hat hier den Ansatz, die Entzündung (die grundsätzlich ein Heilungsversuch des Körpers war) nicht zu unterbinden, sondern sie zu stützen. Dies aber nicht auf dem geschwächten Organ, sondern über die Haut oder die Reflexzonen am Rücken. Der Körper reagiert auf den Reiz wie bei einer Verletzung mit der Aktivierung diverser Aufräummechanismen, das Immunsystem reagiert, die Blutbildung wird angeregt, das Gewebe wird neu organisiert. Es bleibt über mehrere Tage eine wohlige Wärme zurück. Die Schröpfbehandlung wird in kurzen Abständen sechs- bis neunmal wiederholt.
Nicht geschröpft wird in der Schwangerschaft, bei geschwächten Menschen sowie bei Patienten mit einer Herzschwäche.

Schröpfen im Fricktal
Schröpfen ist nicht neu. Geschröpft wurde vermutlich schon vor rund 5300 Jahren im Gebiet Mesopotamiens. Im alten Griechenland wurde dann so viel geschröpft, dass das Schröpfglas die ärztliche Kunst symbolisierte. Später im Mittelalter wurde bekanntlich so ausgiebig zu Ader gelassen und ausgeleitet, dass die Redewendung «de het mi zümftig gschröpft» noch bis heute eine negative Bedeutung hat.
Aber warum in die Ferne schweifen? – In Laufenburg fand man vor wenigen Jahren auf dem Boden des heutigen «Rhyparks» Kellergemäuer aus dem 15. Jahrhundert: Das ehemalige «Siechenhaus», eine spezielle Krankenstation. Es konnten unter anderem Salbentöpfchen und Schröpfköpfe aus Ton geborgen werden. Dies bezeugt, dass auch im mittelalterlichen Fricktal fleissig geschröpft wurde!

 

Fragen richten Sie gerne an:
Weiterführende Informationen finden Sie unter www.sonjawunderlin.ch

Sonja Wunderlin, Naturärztin
Praxis am Laufenplatz 148, 5080 Laufenburg, Tel. 062 874 00 16

Die Landschaft verspeisen
Sie fragen sich jetzt vielleicht: Wie kann man eine Landschaft verspeisen?
Es ist wieder Wander-Zeit. Auch ich packe den Rucksack und bewandere in meinen Ferien die Schweiz. Wandern ist Seelenbalsam. Und ich fühle mich nach einem ausgiebigen Marsch über Berge und durch Felder und Wälder gut genährt. Das Auge isst ja bekanntlich mit. Aber nicht nur.
Unterwegs wird nämlich immer auch botanisiert und gesammelt fürs Essen unterwegs. Es wird also die gesundende Landschaft nicht nur durchs Auge aufgenommen, sondern auch über die Verdauung buchstäblich verinnerlicht.

 Das Schönste ist, wenn die Delikatessen mir geradewegs in den Mund wachsen. Ich nasche gerne von den knackigen weis­sen Robinienblüten im Frühling. Versenke einen Blütenstand der Traubenkirsche oder des Mädesüss in der Trinkflasche –die aromatisiert alles mit einem feinen Bittermandelaroma. Und wenn die Blätter des Bärlauchs schon lange nicht mehr essbar sind, lege ich mir unterwegs die Bärlauch-Blüten aufs Sandwich.
Wildpflanzen haben etwas Eigenwilliges, sind zäh, widerstandsfähig und kräftig im Geschmack. Deswegen haben sie es auch in sich: Beispielsweise im Knopfkraut, einem Unkraut im Gemüsegarten, ist dreimal so viel Eisen drin wie im Spinat. Das zusätzlich enthaltene Vitamin C erleichtert die Aufnahme des Eisens. Das ist sehr interessant bei immer wiederkehrendem Eisenmangel.
Isst man Giersch als Salat, hat man das 20-fache an Vitamin C eingenommen im Vergleich zum Kopfsalat. Abgesehen von einem hohen Gehalt an Vitaminen, Spurenelementen und Mineralstoffen finden sich in den Wildpflanzen ausserdem verschiedene Bitterstoffe, die einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit leisten. In gängigen Gemüsen und Salaten sind Bitterstoffe grösstenteils herausgezüchtet worden, fehlen deshalb in der Ernährung. Isst man etwas Bitteres, werden alle Verdauungsdrüsen angeregt; es werden vermehrt Speichel, Magensäure, Galle und Verdauungsenzyme ausgeschieden, welche auf verschiedenen Ebenen im Verdauungskanal die optimale Verdauung einleiten. Der pH-Wert ist im Mund leicht basisch, im Magen sehr sauer, im Darm gleicht er sich langsam wieder aus durch die basische Galle und die Enzyme der Bauchspeicheldrüse.

Bitterstoffe
Die regelmässige Einnahme von bitteren Kräutern wirkt sich positiv aus auf den Stoffwechsel, Allergien, Unverträglichkeiten, chronische Ekzeme und ein geschwächtes Immunsytem, verbessert die Verdauung und unterstützt die Darmflora.
Der einfachste Weg, zu Bitterstoffen zu kommen, ist das Essen von Wildpflanzen wie Löwenzahn, Gänseblümchen, Bärenklau, Giersch, Schafgarbe, Dost. Oder man bedient sich der klassischen Gartenkräuter wie Wermut, Minze, Beifuss, Thymian, Bohnenkraut, Salbei oder Rosmarin.

Sammel-Regeln in der Landschaft
1. Nur sammeln, was man sicher kennt.
2. Sammeln nur an Orten, an denen weder gedüngt noch gespritzt wird. Bahngeleise werden regelmässig mit dem Pflanzengift Glyphosat gespritzt. Wegränder sind ebenfalls Tabu wegen der promenierenden Hunde, viele Kulturfelder sowie Wegränder sind ebenfalls gespritzt.
3. Grundsätzlich bei trockenem Wetter nach Sonnenhöchststand sammeln.
4. Gesunde trockene Pflanzen sammeln.
5. Nur so viel ernten, wie man in einem Jahr verbraucht.
6. Nur so viel sammeln, dass keine Veränderung des Terrains wahrgenommen werden kann. Seltene Pflanzen lieber in der Drogerie/Apotheke besorgen. Geschützte Pflanzen stehen lassen.

In den kommenden Ferien freue ich mich auf wilden Thymian am Weg, auf die ährige Rapunzel, die roh gegessen eine Delikatesse ist, oder auf die Beeren des in etwas höheren Lagen wachsenden roten Holunders, aus denen sich ein knallroter erfrischender Drink zaubern lässt. Ein Fach des Rucksacks ist reserviert für die essbare Landschaft.
Und nun wünsche ich auch meinen Lesern viel Freude beim Verspeisen der Landschaft und erholsame Zeit in der Natur.

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Weiterführende Informationen finden Sie unter www.sonjawunderlin.ch

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